MyFit – Wearable für Senioren zur Demenzprävention und Selbstevaluierung der mental-kognitiven Hirnfunktion

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Aufgrund der demographischen Alterung der Bevölkerung und der seit Jahrzehnten steigenden Lebenserwartung wird die Anzahl der Senioren über 65 Jahre voraussichtlich bis 2050 auf mehr als 1,5 Milliarden steigen. Da die Wahrscheinlichkeit an einer Demenz zu erkranken, ab einem Alter von 75 Jahren deutlich steigt, werden laut Statistiken der Alzheimergesellschaft schon im Jahr 2030 rund 75 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung leiden. Die Kosten, die weltweit dadurch entstehen, wurden im Jahr 2010 auf US$ 604 Milliarden geschätzt und werden sich voraussichtlich bis 2030 auf US$ 1,1 Billionen erhöhen. Diese Zahlen zeigen eindeutig, wie wichtig es ist, neben passenden sowie effizienten Therapien zur Demenzbehandlung auch entsprechende Methoden zur frühzeitigen Demenzerkennung zu entwickeln, um die erheblichen Kosten für das gesamte Gesundheitssystem sowie für die Familienangehörigen zu senken.

Obwohl es inzwischen allgemeiner Konsens ist, dass Therapien gegen Demenz so früh wie möglich vor der offensichtlichen klinischen Erscheinung der Erkrankung beginnen müssen, fehlen standardisierte, zuverlässige und einfach zu nutzende Instrumente für die frühzeitige Demenzerkennung. Derzeit gibt es keine objektiven Labortests, die zuverlässig eine Demenz, deren Form oder Ausprägung erfassen oder quantifizieren können. Die Erkrankung wird stattdessen durch kognitive Screening-Tests aufgrund des subjektiven Urteils eines Arztes diagnostiziert. Allerdings haben diese Methoden eher grobe Normwerte und Personen mit einer beträchtlichen Verringerung der kognitiven Fähigkeiten können dadurch trotzdem noch als gesund erkannt werden. Hinzu herrscht typischerweise in ländlichen Bezirken ein Fachärztemangel, so dass die Symptome einer beginnenden Demenz oft unerkannt und unbehandelt bleiben.

Längsschnittstudien (z.B. Amieva et al., 2008) haben gezeigt, dass sich bestimmte Hirnleistungen schon bis zu 12 Jahre vor einer offensichtlichen Demenzerscheinung verschlechtern können. Eine standardisierte, regelmäßige Evaluierung der mental-kognitiven Hirnfunktionen ist für die Früherkennung von neurodegenerativen Demenzerkrankungen in präklinischen Stadien bedeutend und wirkt sich auf die Entwicklung effektiver, personalisierter Therapiemaßnahmen sowie auf die Lebensqualität der Betroffenen und die Kosten für Familienangehörige und die Gesellschaft insgesamt aus.

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Wearable – ein miniaturisiertes, tragbares Computersystem – in Form eines Stirnbands, das mittels trockener EEG-Elektroden, Nahinfrarot- und In-Ohr-Herzschlag-Sensoren die Hirnaktivität, wie z.B. langsame EEG-Wellen (slow cortical potentials, SCP), Blutfluss (Nahinfrarotspektroskopie, NIRS) und Herzfrequenzvariabilität (HFV), aufnimmt.

Während des Projekts wird die notwendige Technik für die Erfassung der neurophysiologischen Parameter entwickelt, welche am Ende zu einem funktionsfähigen Prototyp des Stirnbands führen soll. Das gesamte prototypische System enthält drei Hauptelemente:

1. Wearable (Stirnband) für die Messung der neurophysiologischen Parameter.
2. Applikation für Smartphones und Mobilgeräte zur Selbstevaluierung, Datenvisualisierung und Interaktion mit dem entsprechenden ärztlichen Personal.
3. Prototypisches, telemetrisches eHealth-System zur Kooperation und Interaktion zwischen Patienten, Pflegern und zuständigen Ärzten.

Mit dem prototypischen System ist schließlich eine klinische Studie mit zwanzig gesunden Probanden zur Sammlung von Daten für die frühzeitige Demenzerkennung (Prävention) sowie zur Testung, Evaluierung und Benchmarking vom MyFit-Gerät geplant.

Das Projektvorhaben gefördert durch die Europäische Union (EFRE: Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, Projektnummer:1804/000669) ist auf eine Laufzeit von 36 Monaten ausgelegt. Am Projekt sind die Thorsis Technologies GmbH und Strehlow GmbH sowie die Fakultät für Humanwissenschaften mit dem Bereich für Sportwissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Universitätsklinik für Neurologie der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg beteiligt.

Zeitraum: 01.12.2018 – 30.11.2021

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